Aktuelle Entwicklungen bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zinsen gemäß der Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidungspraktiken

4. April 2018

Im Februar 2018 stellte das Finanzministerium den Entwurf eines Änderungsgesetzes zum Einkommensteuergesetz vor, welcher zum Großteil 2019 in Kraft treten soll. Die wichtigsten Änderungen betreffen zumeist die Übernahme diverser Bereiche aus der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidungspraktiken (die „Anti-Tax-Avoidance-Richtlinie“, oder „ATA-Richtlinie„). Diese Richtlinie befasst sich mit neuen Einschränkungen der Abzugsfähigkeit von Kosten für die Fremdkapitalaufnahme, die Wegzugsbesteuerung, die Regeln für beherrschte ausländische Unternehmen und hybride Steuergestaltung.

Die tschechische Übernahme der ATA-Richtlinie führt zwei Schwellenwerte für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Nettofremdkapitalkosten ein:

  • 80.000.000 CZK (3,1 Millionen EUR), oder
  • 30% des EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibung).

Soweit die Nettofremdkapitalkosten (also die Kosten für die Kapitalaufnahme, die über die einschlägigen Erträge hinausgehen) über dem höheren der beiden Schwellenwerte zu liegen kommen, gelten sie als „überschüssige Fremdkapitalkosten“ und werden dann als nicht steuerlich abzugsfähig behandelt.

Im Gegensatz zu den anderen in Tschechien geltenden Eigenkapitaldeckungsregelungen werden die Schwellenwerte der ATA-Richtlinie auf die Fremdkapitalaufnahme bei welchen Parteien auch immer angewandt werden, also auch konzernfremde Finanzierung z.B. durch Bankenkredite. Außerdem umfasst die Definition der Fremdkapitalkosten nicht nur den Zinsaufwand, sondern auch andere Kosten, die wirtschaftlich einer Verzinsung gleichwertig sind, so wie die im Zusammenhang mit der Kapitalaufnahme entstandenen Aufwendungen, Aufwand für Finanzinstrumente, kapitalisierte, im jeweiligen Vermögenswert aktivierte Zinsen, die Kosten von Derivatinstrumenten, auf Kredite und Darlehen anfallende Wechselkursunterschiede usw.

Die Zinsschranke wird auf jeden Steuerzahler gesondert (also nicht auf den konsolidierten Konzern als ganzes) angewandt; Altdarlehen sind vom Test nicht ausgenommen. Auf Finanzinstitute wie Banken, Versicherungsgesellschaften, Fonds usw. finden die Regeln keine Anwendung.

Abschließend möchten wir gerne darauf hinweisen, dass die bisherigen in Tschechien geltenden Regelungen für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinsen (z.B. betreffend den Verschuldungsgrad von 4:1 Fremd- zu Eigenkapital) unverändert fortgelten und parallel zu den neuen Regelungen angewandt werden.

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